SIDRA macht
das Wasser
wieder sauber
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Chemieunternehmen SIDRA produziert seit 1981 in Ibbenbüren/Deutsche Firma, Inhaber aus Schweden

„Flüssiges Eisen“ für sauberes Wasser

Das Team zählt bei der Sidra Wasserchemie in Ibbenbüren-Uffeln. Eine langjährig eingespielte Mitarbeiter-Crew stellt hier Produkte zur Reinigung und Aufbereitung von Wasser her.

Das Unternehmen Sidra Wasserchemie im Industriegebiet Ibbenbüren-Hörstel (Uffeln) direkt am Kanal gelegen stellt alles her, was man zur Aufbereitung und Reinigung von Wasser braucht. Das Bild zeigt Sidra-Geschäftsführer Tom de Clercq (l.) und Verkaufsleiter Raimund Schipp, im Hintergrund sind Teile der Produktionsanlagen zu sehen. Foto: Peter Henrichmann
Das Unternehmen Sidra Wasserchemie im Industriegebiet Ibbenbüren-Hörstel (Uffeln) direkt am Kanal gelegen stellt alles her, was man zur Aufbereitung und Reinigung von Wasser braucht. Das Bild zeigt Sidra-Geschäftsführer Tom de Clercq (l.) und Verkaufsleiter Raimund Schipp, im Hintergrund sind Teile der Produktionsanlagen zu sehen. Foto: Peter Henrichmann

IBBENBÜREN. Der sympathische Mann im anthrazitfarbenen Business-Anzug kann mit einfachen Worten erklären, was da tagtäglich passiert in dem Chemieunternehmen unweit vom Mittellandkanal gegenüber der Akzo: „Wir verflüssigen Eisen“, sagt Tom de Clercq (52; Geschäftsführer Sidra Wasserchemie GmbH). Er sagt es mit dem augenzwinkernden Lächeln eines Mannes, der Industrie-Chemie studiert hat. Natürlich liefert er sofort die Aufklärung dieses kleinen Scherzes: „Bei uns werden aus Eisen Spezialprodukte hergestellt, die man zur Reinigung und Aufbereitung von Wasser z.B. in Kläranlagen nutzen kann“, schiebt er mit nur ganz leicht hörbarem Akzent hinterher. Der Sidra-Chef pendelt zwischen seinem Familienwohnsitz nahe dem belgischen Antwerpen und seinem Arbeitsort in Ibbenbüren, wo er an mehreren Tagen pro Woche die gastlichen Angebote wechselnder Hotels nutzt. Viel Fahrerei...
 
Für de Clercq nichts Neues: Schon seit 2009 ist er regelmäßig hier tätig, seit 2010 fungiert er als Geschäftsführer. Und er kennt natürlich die Historie der lokalen Sidra Wasserchemie. Die Firma hat der aus Schweden stammende Ingenieur und immer noch Inhaber Lars Rennerfelt 1981 in Ibbenbüren auf die grüne Wiese gestellt. „Der Standort wurde gewählt, weil hier Chlor hergestellt wird“, erklärt de Clercq. Damals hieß der Chlor-Hersteller noch ECI, heute heißt das Joint-Venture von Akzo und Evonik Neolyse Ibbenbüren GmbH. Von dort aus wird per Pipeline unter dem Kanal durch Chlor an die Sidra Wasserchemie geliefert – eine jahrzehntelange Geschäftsbeziehung.
 

Die Produkte


Chlor ist die unabdingbare Grundlage der Produktion bei der Sidra. Da werden – siehe oben – eine Handvoll von flüssigen Spezialprodukten (u.a. Eisen-III-Chlorid-Lösungen) hergestellt, die für die Reinigung und Aufbereitung von Kläranlagenwasser, von Industrie- und Prozesswasser oder auch zur Trinkwasseraufbereitung genutzt werden. Verarbeitet (verflüssigt) werden – und das jeweils in namhaften Mengen – Eisenerze, die u.a. per Binnenschiff aus Skandinavien geliefert werden. Auch eisenhaltige Beiz-Lösungen aus Verwertungsbetrieben werden als Rohstoffquelle genutzt. „Sekundäreisen“ (die vornehme Umschreibung von Schrott) und Salzsäure sind weitere Bestandteile, die zum Einsatz kommen. „Wir sind zwar ein Chemiebetrieb“, sagt Tom de Clercq, betont aber auch, dass die Sidra „kein Störfallbetrieb“ ist, für den wegen möglicher Gefahren besondere Bedingungen gelten. Dennoch: Sicherheit im Werk und erhebliche Investitionen z.B. in den Brandschutz sind auch bei Sidra wichtig. „Keine Unfälle in der Anlage“ – Sicherheit steht immer im Mittelpunkt.
 
Ein Blick auf das Sidra-Werk: Hier wird Eisen verarbeitet zu flüssigen Produkten. Die erst kürzlich in Betrieb genommene neue Logistik-/Abfüllanlage (900 000 Euro-Investition; unten links zu sehen) kann sechs große LKW-Silozüge pro Stunde befüllen. Foto: CFK Luftaufnahmen
Ein Blick auf das Sidra-Werk: Hier wird Eisen verarbeitet zu flüssigen Produkten. Die erst kürzlich in Betrieb genommene neue Logistik-/Abfüllanlage (900 000 Euro-Investition; unten links zu sehen) kann sechs große LKW-Silozüge pro Stunde befüllen. Foto: CFK Luftaufnahmen
Die produzierte Menge ist beachtlich: Rund 125000 Tonnen jährlich werden dreischichtig an fünf Arbeitstagen pro Woche hergestellt. Hinzu kommen 25000 Tonnen an Produkten, die Sidra zuvor einkauft, veredelt und weiter verkauft.
 
Im Jahr 2009 ist die Produktionsanlage auf dem rund 6000 m² großen Areal in weiten Teilen erneuert worden. Aktuell ist das Werk „technisch auf modernem Stand“, sagt der Geschäftsführer. Der ausdrücklich betont, dass der wesentliche Faktor im Werk das 33-köpfige Mitarbeiter Team (zwei Azubis) aus größtenteils langjährig beschäftigten Experten ist. „Der Teamgedanke zählt, es ist familiär hier bei uns“, sagt de Clercq. Der Chef ist „du“ im Betrieb...
 
Verkauft wird ausschließlich im B2B-Direktkundengeschäft an rund 600 Abnehmer in Deutschland und im Bereich Benelux. Marktlage und Absatz sind stabil, der Umsatz liegt bei rund 20 Millionen Euro jährlich. Das Unternehmen wächst organisch, zu groß werden ist jedoch nicht das Ziel. Viel mehr möchte man sich weiterhin im Geschäftsfeld gegenüber den teils erheblich größeren Wettbewerbern gut behaupten. „Unser Vorteil ist, dass wir sehr schnell, sehr flexibel sind, sowohl bei Lieferungen als auch bei Entscheidungen. Small is beautifull, klein ist schön...“, formuliert de Clercq in bester Managersprache.
 

Tailor made


So gilt für die Zukunft die Devise - noch mal Managersprache - „tailor made“-Produkte, soll heißen sehr kundenspezifisch abgestimmte Produkte für ganz spezielle Anforderungen, herzustellen. „Wir wollen noch spezieller werden, wollen am Fein-Tuning z.B. für Industriekunden arbeiten“, ergänzt Dipl.-Ing. Raimund Schipp (Verkaufsleiter). Ein wenig an der Menge schrauben kann man dabei durchaus: Die Genehmigung, die Produktion am Standort Ibbenbüren auf 200000 Jahrestonnen auszuweiten, liegt vor. Und erste Gedanken über dafür nötige Ausbauten an der Anlage hat man sich bei Sidra schon gemacht.

Im Augenblick allerdings freut man sich, dass eine Groß-Investition an anderer Stelle gut läuft: Um einem namhaften Kunden im Ruhrgebiet hoch-zuverlässig beliefern zu können, hat Sidra ein eigenes Zwischenlager für seine Produkte gebaut. 2,5 Mio. Euro wurden investiert, im Sommer 2018 geht das Lager in Betrieb.

Übrigens: Bei der Sidra schlägt das Herz auch und ganz besonders für das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit. Stromeinsparung, Nutzung von Öko-Strom und der Einsatz von E-Fahrzeugen gehört dazu. Ein echter Clou ist auch die Nistkasten-Aktion mit einem Livestream von der Aufzucht süßer kleiner Piepmätze, die bei vielen Kunden sehr gut ankommt.

von Peter Henrichmann
Ibbenbürener Volkszeitung 14.09.2018